Woodstock der Blasmusik
Woodstock der Blasmusik
Woodmaster of the Year 2019

Matthias Schorn


Wie schon in den vergangenen Jahren gibt es auch heuer unseren „Woodmaster of the Year“. Nach Thomas Gansch, Christoph Moschberger und Andreas Martin Hofmeir haben wir einen Klarinettisten ausgewählt: Matthias Schorn. Er wird an den vier Tages des Festivals in verschiedene Rollen schlüpfen und uns sein volles musikalisches Spektrum zeigen. Hier nun eine Vorstellung des vielseitigen Musikanten aus und mit ganzem Herzen.

Zwischen Bierzelt, Konzertsaal und Kleinbühne


Matthias Schorn ist Klarinettist – und nicht irgendeiner: Als Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker gilt er als einer der Besten seiner Zunft. Der gebürtige Salzburger hat einen bewegten musikalischen Werdegang: von der Blaskapelle bis zum Orchester. Er hatte sie alle: Martin Grubinger, Thomas Gansch, Konstantin Wecker, Sky du Mont, Willi Resetarits uvm. Die Liste der Künstlerinnen und Künstler die mit Matthias zusammengearbeitet haben, ist lang. Es folgt hier nun ein kleiner Einblick in seine musikalische Welt.

Matthias wurde in Salzburg geboren, er studierte zuerst bei Alois Brandhofer an der Universität „Mozarteum“ Salzburg und dann bei Johann Hindler an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, wo er sein Studium mit einer Magisterarbeit am Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie abschloss.
 
Seine berufliche Laufbahn begann er als Klarinettist beim Radio Symphonie Orchester Wien, 2007 wurde er nach Stationen beim Deutschen Symphonie Orchester Berlin und bei den Münchner Philharmonikern als Soloklarinettist an die Wiener Staatsoper bzw. zu den Wiener Philharmonikern engagiert.
 
Als Solist konzertierte er in den letzten Jahren mit den Wiener Philharmonikern, den London Mozart Players, dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin, dem Konzerthausorchester Berlin, dem Rundfunk Symphonie Orchester Berlin, der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, der NDR Radiophilharmonie Hannover, dem MDR Orchester Leipzig, der Staatskapelle Schwerin, den Neubrandenburger Philharmonikern, der Norddeutschen Philharmonie Rostock, dem Mozarteumorchester Salzburg, dem Bruckner Orchester Linz, dem Innviertler Symphonie Orchester, dem ORF Radio Symphonie Orchester Wien, den Lucerne Festival Strings, dem Wiener Jeunesse Orchester,  der Kremerata Baltica, der Academia Allegro Vivo, der Moskauer Virtuosen, der Capella Istropolitana, der NDR Big Band und den Kammerorchestern aus München, Leipzig und Ingolstadt unter Dirigenten wie Gustavo Dudamel, Lorin Maazel, Christian Thielemann, Alexander Shelley, Lawrence Foster, Hans Graf, Ivan Fischer, HK Gruber, Dennis Russel Davies, Rafael Frühbeck de Burgos, Michael Sanderling, Alexander Liebreich, Kristjan Järvi, Yuri Bashmet, Ariel Zuckerman oder Nicholas Milton.
 
Neben seiner solistischen Tätigkeit ist ihm die Kammermusik ein großes Anliegen, so zählen z. B. Christoph Eschenbach, Daniel Hope, Kit Armstrong, Benjamin Schmid, Martin Grubinger, Annette Dasch, Viviane Hagner, Veronika Eberle, Wu Han, Gabor Boldoczki, Christopher Hinterhuber, Daniel Müller-Schott, Raphael Wallfisch, Ernst Kovacic, Clemens Hagen, Vilde Frang, Thomas Gansch, Bob Mintzer, Georg Breinschmid, Peter Simonischek, Konstantin Wecker, Armin Mueller-Stahl, Sky du Mont, Julia Stemberger, Karlheinz Hackl, Willi Resetarits, Shantel, Krzysztof Dobrek, die Strottern, die NDR Big Band, die Tanzgeiger, die New York Gypsy All Stars, die Musicbanda Franui, das Faurè Quartett, das Minetti Quartett, das Quatour Ebene, das Danish String Quartet, das Vogler Quartett, das Apollon Musagete Quartett oder Gansch&Roses zu seinen Partnern.
 
Als Festivalgründer („PalmKlang“), Ensemblegründer („Faltenradio“) und Residenzkünstler (Artist in Residence der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern 2013, künstlerischer Leiter des Festspielfrühling Rügen 2018, Künstlerportrait der BASF Ludwigshafen 2018 darf er sich regelmäßig neue, aufsehenerregende dramaturgische Konzepte überlegen. Außerdem lehrt Matthias Schorn als Professor an der Musik und Kunst Universität Wien, arbeitet als Kolumnist für diverse Fachzeitschriften und hält Meisterkurse an bedeutenden Institutionen wie der Universität „Mozarteum“ Salzburg, der Hochschule für Musik und Theater Rostock (Deutschland), der Universität für Musik Braga (Portugal), der Manhattan School of Music New York (USA), der University of California Santa Barbara (USA) oder am YST Conservatory for Music (Singapur).
Er ist Widmungsträger zahlreicher Werke zeitgenössischer Komponisten wie z. B. Friedrich Cerha, Richard Dünser, Balduin Sulzer, Anton Gmachl, Thomas Gansch, Georg Breinschmid, Viola Falb, Thomas Wally, Allesandro Malizia, Paul Engel, Johannes Motschmann, Jakob Gruchmann, Christoph Ehrenfellner, Athanasia Tzanou, Belma Beslic-Gál, Bob Mintzer, u. v. a.

Matthias Schorn lebt mit seiner Frau Daniela (Musikpädagogin, Klangtherapeuthin, Musikkinesiologin) im niederösterreichischen Triestingtal. Dort betreut er als Hobbyimker einen Bienenstock, versucht sich im Obst- und Gemüseanbau und eröffnete im aufgelassenen ehemaligen Bahnhof Altenmarkt-Thenneberg seine „Haltestelle für Kunst aus allen Richtungen“ als Kleinkunstbühne mit angeschlossenem Tonstudio, kleinem Kaffee sowie einer Pilgerunterkunft.
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combo fragt nach: Matthias Schorn und das Woodstock der Blasmusik


Unser hauseigenes Musikmagazin "combo" hat Matthias Schorn zum Interview gebeten. In einem kleinen Auszug hier lest ihr, was Matthias unserem Redakteur Thomas Nigl alles über seine Pläne am Woodstock der Blasmusik 2019 verraten hat. Und - wie das jetzt mit Holz und Blech wirklich ist.

combo: Du hast schon viele Woodstock-Erfahrungen gesammelt, sei es mit MaChlast oder mit anderen Gruppen. Was ist für Dich so besonders an diesem Festival?

Matthias Schorn: Ganz wesentlich ist für mich, dass ich von der Pike auf dabei war. Über MaChlast haben Simon und ich gemeinsam diese Idee geboren. Deshalb fühle ich mich auch so verbunden damit. Aus dem Woodstock der Blasmusik ist natürlich eine unglaubliche Story geworden – beziehungsweise hat Simon das daraus gemacht, was es heute ist. Geplant war das nie, die schönsten Sachen passieren manchmal einfach so – ohne Reißbrett und Businessplan. Ich finde es spannend, dass wir ein Festival haben, wo wir – wenn man das politische Spektrum betrachtet – die komplette Bandbreite haben. Von links außen bis rechts außen ist da alles vertreten – und das finde ich spannend und reizvoll. Noch dazu, weil alles friedlich abläuft.

combo: Warum ist das Deiner Meinung nach so?

Matthias Schorn: Ich überlege mir, was wohl der kleinste gemeinsame Nenner ist. Warum kommen die alle? Es muss doch etwas mit Musik zu tun haben. Plötzlich ist es möglich, dass auf dem Zeltplatz der Ultrarechte neben dem linken Fundi schläft und beide hören sich die Fuchsgraben Polka an. Da frage ich mich: Wie gibt es denn das? Und welche Möglichkeiten birgt das? Spannend! So eine Durchmischung findet man selten auf irgendeinem anderen Festival. 

combo: Du mischst Dich also auch gerne unter das Publikum?

Matthias Schorn: Das ist das Geilste! Eines der Woodstock-Erfolgsgeheimnisse – neben der Musik, die meiner Meinung nach fast in einer spirituellen Art und Weise an oberster Stelle steht – ist der Campingplatz und das, was dort passiert. Die Leute wollen dort ein paar Tage bleiben, sich etwas aufbauen, ihr Wohnmobil hinstellen und dann dort miteinander leben und selbst musizieren. Über den Campingplatz zu spazieren, gehört zu den Highlights. Was man dort erlebt – von befremdlich bis berührend – ist ein Wahnsinn.

combo: War es ein längerer Prozess, bis Matthias Schorn zum Woodmaster wurde?  

Matthias Schorn: Simon Ertl hat mich vor mehr als zwei Jahren schon einmal gefragt, ob mich das interessieren würde. Ich habe mich wahnsinnig geehrt gefühlt, weil mir einerseits klar ist, dass das eine Riesenplattform und eine große Verantwortung ist. Andererseits sind meine Vorgänger – Thomas Gansch, Christoph Moschberger und Andreas Hofmeir – auch für mich ganz große Namen und zum Teil auch Vorbilder. Deswegen bin ich mit dieser Verantwortung zunächst etwas zaghaft umgegangen. Aber jetzt hat es mich doch einfach gereizt. Mich interessiert auch hier wieder, ob ich diese Verbindung zum Publikum bekomme oder nicht.
 
combo: Andreas Hofmeir hat seine Rolle als Woodmaster etwas selbstbewusster angelegt und keinen Zweifel daran gelassen, dass die Tuba die „Krone der Schöpfung der Instrumentenbauerkunst“ ist. Was würdest Du als Klarinettist ihm entgegnen? 

Matthias Schorn: (Lacht) Ich entgegne, und das wird unüberhörbar sein, dass ich diese Rolle des Woodmasters wahnsinnig ernst nehme und als Verantwortung sehe. Es ist mir wirklich ein Anliegen, dem Woodstock meinen Stempel aufzudrücken. Es wird unüberhörbar sein, dass das zum ersten Mal kein Blechbläser ist, sondern ein Holzbläser. Das wird man hören. Klar, es muss alles seinen Platz haben. Ich will auch Party und Vollgas. Aber wir Klarinettisten sind schon auch ein bisschen dafür bekannt, dass wir draufgekommen sind, dass manchmal der andere besser zuhört, wenn man leiser redet – und nicht schreit. Das wird man hören und bemerken. 

combo: Klingt nach einem Konkurrenzkampf zwischen Holz und Blech.

Matthias Schorn: Nein, das ist überhaupt kein Konkurrenzkampf. Ich mag’s auch laut, wirklich! Ich sitze im Orchester vor den Posaunen oder Trompeten und wenn es in einer Mahler-Symphonie laut sein muss, dann muss es laut sein. Da nehme ich keine Ohrstöpsel, denn das möchte ich spüren. Aber mich interessieren immer beide Seiten. Es muss die volle Bandbreite geben – dynamisch, stilistisch usw. Das ist auch die Chance dieses Festivals, nämlich dass das alles Platz haben darf. 
Artist
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Die nackten Fakten

27. Juni - 30. Juni 2019
4974 | Ort im Innkreis
Austria | Arco-Area
4 Tage | 5 Bühnen | 100 Acts


2019: 27. Juni - 30. Juni
2020: 25. Juni - 28. Juni
2021: 01. Juli - 04. Juli

Neue Lage